Programm » Weite Horizonte – Gesellschaft & Politik

115. Zeitgespräch zu Gesellschaft, Kultur und Religion - zu Gast: Sabine Bode

Journalistin und Buchautorin, Köln

Sabine Bode, Jahrgang 1947, begann als Redakteurin beim „Kölner Stadt-Anzeiger". Seit 1978 arbeitet sie freiberuflich. Ihre Hörfunkbeiträge werden überwiegend im WDR und im NDR gesendet. Die Bestsellerautorin hat Kriegserfahrungen und ihre Auswirkungen auf die Betroffenen als Eltern, als Großeltern und Enkel dokumentiert. Sie deckte auf, dass kindliche Kriegstraumata oft jahrzehntelang unbewusst und unentdeckt bleiben und erst im höheren Lebensalter mit seinen zusätzlichen Belastungen offenbar werden. Darüber hinaus wirken die Traumata der Kriegskinder oft transgenerational weiter. Friedensarbeit, um aufzuzeigen, welche Auswirkungen Krieg generativ hat.
In ihrem Buch „Die vergessene Generation“ geht sie auf die Kriegskinder ein, also die heute ca. 70 bis 85Jährigen; Zeitzeugen, die als junge Menschen den 2. Weltkrieg noch selbst erlebt haben. Nach dem Motto „Vergiss alles, schau nach vorne!“, haben sie aufgebaut und wenig gefragt. In ihren Interviews hat Sabine Bode diese Generation, die „immer dankbar sein“ musste, zum Sprechen gebracht.
Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter sind im Fokus ihres Buches „Nachkriegskinder“. Ihre Eltern waren keine Kriegskinder, sondern haben als Erwachsene den Krieg mitgemacht, die Väter meist als aktive Kriegsteilnehmer. Für deren Kinder, nun auch schon im fortgeschrittenen Alter, hat eine Zeit der Lebensbilanz begonnen. Sie beschäftigen sich mit ihrer Jugend und mit ihren Wurzeln. Sie wollen wissen, wie sie das Aufwachsen in der Nachkriegsgesellschaft geprägt hat.
In „Kriegsenkel“ zeigt Sabine Bode, wie die Schrecken des Krieges noch bis in diese Jahrgänge – 1960 bis 1975 - hineinwirken. Sie erzählt, wie die Eltern, die Kriegskinder, ihre traumatischen Erfahrungen unbewusst weitergegeben haben, berichtet von Sprachlosigkeit und Unverständnis zwischen den Generationen und beleuchtet den Einfluss generationsübergreifender Wunden auf die gegenwärtigen Beziehungen der Kriegsenkel.
Diese Themen haben in den literarischen Werken der Autorin spannende Ergänzungen erfahren: „Die deutsche Krankheit German Angst“, aber auch „Frieden schließen mit Demenz.“
Sabine Bode gibt tiefe Einblicke in unser Nachkriegsdeutschland, die aber generell herangezogen werden können, auch um die Folgen heutiger Kriege - weltweit - zu bewerten.
In ihrem ersten Roman „Das Mädchen im Strom“ (2017) erzählt die Bestsellerautorin nach einer wahren Vorlage die mitreißende Lebensgeschichte einer Jüdin auf der Flucht vor dem Naziterror und von Selbstachtung als Überlebensstrategie. Auch dieser historische Stoff eignet sich hervorragend, um im Hinblick auf Gewalterfahrungen der Gegenwart zu lernen.

Gesprächspartner: Iris Bosold und Paul Schlegl

Gesprächsgäste bei diesen öffentlichen Zeitgesprächen sind Personen, die wegen ihres Lebensweges, ihres öffentlichen Auftretens oder ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Veranstaltungen haben Gesprächscharakter, weil die offene Begegnung zwischen dem Gast und den Beteiligten spannende Lernerfahrungen ermöglicht, das heißt Einblick in Themenfelder, Lebensläufe, Beweggründe, Tätigkeiten, Problem- und Wirkungsbereiche – sprich: „fremde Welten“ – genommen werden kann. Außerdem sollen diese Zeitgespräche den lebendigen, offenen Austausch und die tolerante Verständigung in Gesellschaft und Kirche voran bringen.

Wann:
Dienstag, 04.06.2019, 20:00 Uhr
Wo:
Spitalhofsaal am Marktplatz, Reutlingen
Hinweis:
KEB-Bildungswerk in Zusammenarbeit mit der Stadt Reutlingen und der Kreissparkasse Reutlingen.
Beitrag:
€ 8,- (€ 5,-); Kartenvorverkauf im Bildungswerk

 

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