„Für ein gutes Klima …“

Gedanken zum neuen Schwerpunktthema 2021/2022 - von Dr. Stefan Meißner

Der Autor ist gewählter Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung Bildungswerk Kreis Reutlingen e.V., außerdem Referent und Pressesprecher in der Abteilung Schule und Bildung am Regierungspräsidium Tübingen

„Für ein gutes Klima …“

Gewässer sind über die Ufer getreten, Keller vollgelaufen, Hagelstürme waren unterwegs – die letzten Monate im Landkreis Reutlingen sind mit Blick auf das Klima und die Witterung ganz schön schlagkräftig gewesen. Die Bewegung „Fridays for Future“ erinnert uns immer wieder, wie notwendig es ist für Klimagerechtigkeit etwas zu tun, wenn wir nicht dauerhaft mit solchen Störungen des ökologischen Gleichgewichts und Beschneidungen unserer Lebensqualität leben wollen. Die Schwerpunktsetzung beim Klima spiegelt sich im in den letzten Monaten entstandenen Koalitionsvertrag der grün-schwarzen baden-württembergischen Landesregierung und auch im Vorfeld der Bundestagswahl im September 2021 ist die Klimapolitik eines der wichtigsten und meist diskutierten Themen. Wer die Zeichen der Zeit zu lesen versteht, kommt um die Beschäftigung mit dem Mega-Thema Klima nicht herum. Wir wollen dieser Tatsache auch in unserem Bildungsprogramm der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Reutlingen Rechnung tragen und haben deshalb zunächst für das Winterhalbjahr 2021/22 und das Sommerhalbjahr 2022 die Überschrift „Für ein gutes Klima“ vorangestellt.

Das Thema „Klima“ hat viele Berührungen mit dem Themenkreis „nachhaltig leben“. So möchten wir in unserem Programm fortan verstärkte Aufmerksamkeit dem „Biosphärengebiet Schwäbische Alb“ widmen, dem große Teile des Landkreises Reutlingen zugehören und seine Entwicklung begleiten. Das Biosphärengebiet steht für ein modellhaftes Miteinander von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Wir sind uns bewusst, dass diese Schwerpunktsetzung im Sommer 2022 nicht enden wird, vielmehr in dem Jahr bis dahin besondere Aufmerksamkeit erhalten soll, um dann im Alltagsbetrieb unseres Bildungswerks zu bestehen. Mit der Überschrift „Für ein gutes Klima“ zielen wir aber auch auf das gesellschaftliche Miteinander in der Region, in der wir leben. Corona hat in der Pandemiezeit wie ein Brennglas gewirkt – Impfen oder nicht? Masken oder nicht? Testen oder nicht? Reisen oder nicht? Homeoffice oder nicht? Da stehen sich Positionen ungewohnt unversöhnt gegenüber. Es wird Aufarbeitung brauchen wo Begrenzung notwendig war und wo sie über die Grenzen geschlagen hat: War es richtig die Älteren besonders zu schützen? Was hat man den Jüngeren zugemutet? Wurden Grundrechte voreilig beschnitten? Waren die Entscheidungsprozesse demokratisch? Haben die Exekutive und die Verwaltung das Abgeordnetenmodell und die Demokratie unnötig beschädigt? Wo waren die Kirchen und haben sie etwas beigetragen? Oder sind sie gesellschaftlich obsolet geworden? Es wird viele Diskurse brauchen, diese Fragen zu klären – auch bei uns in der Katholischen Erwachsenenbildung.

Corona hat in der Pandemiezeit wie ein Brennglas gewirkt und die Unterschiedlichkeit der Anforderungen an Stadtleben und Landleben nochmal nach vorne treten lassen. Maskenpflicht in der Stadt bedeutet etwas anderes als Maskenpflicht auf dem Land. Öffentlicher Personennahverkehr unter Coronabedingungen bedeutet in der Stadt etwas anderes als auf dem Land. Wie wichtig die Erledigung der Aufgabe ist, die der baden-württembergische Landtag Stadt und Landkreis Reutlingen gestellt hat, für einen Ausgleich der Lasten, insbesondere der finanziellen Lasten zwischen Stadt und Land zu sorgen, liegt auf der Hand. Eine Lösung zeichnet sich noch nicht ab.

Dieser Beitrag nimmt Gedanken aus der Menschen-und-Themen-Veranstaltung mit Heribert Prantl am 12. Juli in der Reutlinger Sankt Wolfgang-Kirche auf. Wir sind froh, dass unsere Flaggschiff-Reihe mit zwei Präsenzveranstaltungen mit Ingmar Hoerr und Heribert Prantl wieder so erfolgreich durchstarten konnte und freuen uns auf die anstehenden Menschen-und-Themen-Abende mit der Schauspielerin Christina Hecke und dem baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten Michael Blume.

Unsere Neuaufstellung geht voran. Wir konnten erreichen, dass der Dekanatsrat Reutlingen-Zwiefalten die Ausschreibung einer Profilstelle „Junge Erwachsene“ beantragt hat. Wir hoffen, dass die Stelle im ersten Halbjahr 2022 besetzt werden kann.

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Kommentierungen zum Weg der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Reutlingen. Bleiben Sie uns gewogen!

 

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