Lust auf Zukunft

Gedanken zum neuen Schwerpunktthema 2020/2021 - von Dr. Claudia Guggemos und Dr. Stefan Meißner

Die Autorin ist Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung Bildungswerk Kreis Reutlingen e.V. Der Autor ist Gewählter Vorsitzender der Katholischen Erwachsenenbildung Bildungswerk Kreis Reutlingen e.V., außerdem Referent und Pressesprecher in der Abteilung Schule und Bildung am Regierungspräsidium Tübingen.

Corona ist nicht lustig. Das ist ein Problem. Denn nur wenn es uns gelingt in unser Leben ausreichend Anteile einzubauen, die wir lustvoll erleben, fühlen wir uns gut. Lust ist eine besonders intensive und angenehme Weise des Erlebens, die sich auf unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung zeigen kann. Zum Beispiel beim Essen und Trinken, bei sportlichen Aktivitäten, bei der Arbeit oder als Bestandteil des sexuellen Erlebens.

Corona ist nicht lustig. Die Pandemie führt uns vor Augen, dass das Leben auf unserem Planeten gefährdet und endlich ist. Wenn wir überhaupt leben wollen, müssen wir uns beschränken - Begegnungsvorschriften und Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen und Reisebeschränkungen. Das nervt. Menschen mit geringer Frustrationstoleranz bringt allein dieser Zustand der Beschränkung dazu, um sich zu schlagen. Dabei geht die Problematik eigentlich viel tiefer. Im Grunde verhandeln wir mit Corona unsere globale, wirtschaftszentrierte, wenig ressourcenschonende Lebensweise und den daraus resultierenden Klimawandel, der uns die Luft zum Atmen nimmt und durch die Erderwärmung Menschen zur Flucht zwingt. Mit all dem Unglück und Unfrieden, den Migration häufig zur Folge hat. Fridays for Future, rassistisches Gedankengut, Flugscham ... viele Themen unserer Zeit speisen sich unter anderem aus diesen Zusammenhängen.

Corona ist nicht lustig. Das ist eine Herausforderung für die Bildungsarbeit. „Das Virus ist nicht gerecht“, hat Ministerpräsident Kretschmann gesagt, weshalb wir seine Auswirkung auf unsere Lebensqualität an vielen Stellen bedenken müssen. Aus dieser Nachdenklichkeit entstehen unsere Themen. Wenn wir abwägen, welche Beschränkungen von Freiheiten konkret vertretbar sind, sind wir bei politischer Bildung und Demokratiebildung. Wenn wir diese Überlegungen in der Überzeugung anstrengen, dass sich Gerechtigkeit nicht im Hier und Jetzt erschöpft, bewegen wir uns im Horizont religiöser Bildung.

Corona ist nicht lustig. Mit unserem Programm wollen wir Sie ermuntern, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen und ihr mit Lust zu begegnen. Ganzheitlich, mit Kopf, Herz und Hand - meditativ, kognitiv, sinnlich. Dabei unterliegen auch wir den Beschränkungen unserer Zeit. Bildungsarbeit will zusammenführen - das geht räumlich gegenwärtig nur eingeschränkt. Wenn digitale Bildungsangebote in unserem Angebot so größeren Raum gewinnen, verstehen wir das aber nicht nur als Ersatz. Begegnung ist auch digital möglich, gemeinsames Lernen geht auch räumlich fern voneinander, passt in dieser Form und Ästhetik sogar besser in die Lebensgestaltung von vielen von uns. So werden digitale Angebote auch nach Corona ein Standbein unserer Arbeit sein.

Corona ist nicht lustig. Wir stellen unser Bildungsprogramm in dem Bewusstsein zusammen, dass es eine Zeit nach der coronadominierten geben wird, die es zu gestalten gilt. Wie Lernen aus und mit Corona geht, das beschäftigt uns. Wie ein besseres Leben nach den Beschränkungen und einem Lernen aus den damit verbundenen Herausforderungen aussehen kann, ist unser Thema. Vielleicht finden Sie einen Punkt, an dem Sie einhaken können und mitmachen möchten?

Corona ist nicht lustig und es fordert viele organisatorische Änderungen in der Erwachsenenbildung: Kurse finden im Freien statt oder online. Vieles findet auch vor Ort „in Präsenz“ statt – immer zu den aktuell geltenden Hygieneschutz- und Abstandsregelungen. Bei manchen Veranstaltungen haben wir „für alle Fälle“ geplant: Falls die Veranstaltung auf Grund aktueller Entwicklungen nicht stattfinden kann, werden wir sie als Video-Präsenz-Veranstaltung halten. Diese Veranstaltungen sind mit diesem Symbol gekennzeichnet!  Das alles verlangt uns und Ihnen viel Flexibilität ab. Wir werden Sie daher tagesaktuell über Presse, unsere Homepage, unseren Newsletter und unsere Facebook-Seite informieren. Bitte haben Sie Verständnis, wenn sich manches während des nächsten halben Jahres ändert!

Corona ist nicht lustig. Ihre „Lust auf Zukunft“ haben dennoch einige Menschen aus Reutlingen und darüber hinaus erforscht: Sie haben sich beteiligt am Mal-, Schreib- und Fotowettbewerb zu unserem Jahresmotto. Einen Teil der eingereichten und prämierten Bilder und Texte können Sie in diesem Heft entdecken, einen weiteren Teil auf unserer Homepage. Wir danken allen, die teilgenommen haben!

Da so schöne, anregende und kreative Einsendungen eingegangen sind, schreiben wir den Wettbewerb auf diesem Weg nochmals aus: Einsendeschluss ist der 20.11.2020. Lassen Sie sich inspirieren!

 

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