Haltung wirkt!

Gedanken zum Schwerpunktthema 2020 - von Tanja Ogiermann

Die Autorin ist Stellvertretende Vorsitzende der KEB Reutlingen, Kirchengemeinderätin in St. Andreas (Orschelhagen) und Lizensierte Group Fitness Instructorin (Fitnesstrainerin)


Digital, statisch, unbewegt und vielsitzend ist unsere Lebensweise heutzutage – das hat enorme gesundheitliche Folgen, denn es fördert eine schwache Körperhaltung! Dazu bewegen wir uns noch viel zu selten, jeder dritte Deutsche nicht einmal 30 Minuten pro Tag zu Fuß oder mit dem Fahrrad, was sich wiederum auf die Aktivität unserer Muskeln auswirkt.
Sie werden chronisch vernachlässigt, dabei haben vor allem die Rumpfmuskeln die wichtige Aufgabe die Wirbelsäule zu stützen und zu stabilisieren. Wir sitzen viel zu viel, durchschnittlich 7 Stunden pro Tag und durch die oft vorgeneigte Sitzhaltung belasten wir unsere Wirbelsäule mit ca. 170 kg Druck zusätzlich. Durch unsere unnatürliche Lebensweise verlernen wir die richtige Körperhaltung, aber eine gesunde Körperhaltung kann gelernt werden! Eine gute und gesunde Haltung sieht toll aus, wirkt selbstbewusst und beugt Rückenschmerzen vor.

Aus den oben genannten Gründen sind wir meistens entweder beim Orthopäden oder Physiotherapeuten, wenn es um unsere Haltung geht. Verantwortlich ist dann oft Beckenschiefstand, der unzureichend trainierte Muskelapparat oder Verspannungen durch falsche Belastung. Dann wird eingerenkt und massiert, man geht zur manuellen Therapie oder ins Fitnessstudio, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

Als Fitnesstrainerin frage ich mich manchmal: Drückt sich nicht auch unsere seelische Verfassung in der körperlichen Haltung aus? Geht es mir gut, dann bewege ich mich beschwingt, leichtfüßig und aufrecht mit offenem neugierigem Blick. Fühle ich mich aber mutlos oder traurig, zieht es mich zu Die Autorin ist Boden und jeder Schritt fällt schwer – ich bin wie gebeugt und mein Blick ist auf den Weg gerichtet, den ich bewältigen will.

So wie unsere Gefühle unserer Körperhaltung Ausdruck geben, bestimmen auch unsere „innere Haltung“ – unsere Einstellung, unsere Meinung und unsere Handlungen - maßgeblich die äußere Form. Für mich gilt der Spruch von Konfuzius: „Zuerst die innere Haltung, dann die äußere Form!
Es ist wie beim Malen, wo man Glanzlichter zuletzt aufsetzt.“ Mit unserem freien Willen bestimmen wir selbst was wir denken – wir können uns weiterentwickeln und offen sein für Neues. Wichtig ist heutzutage, trotz der uns immer wieder manipulierenden sozialen Medien, nicht nur eine Haltung zu haben, sondern auch für sie einzutreten, gerade wenn sie nicht der allgemeinen Meinung entspricht. „Nein“ zu sagen oder auch kritisch zu hinterfragen, bevor man etwas akzeptiert, fällt schwer und wird oft als unangenehm und als echte Herausforderung empfunden.

Manchmal begrenzen Menschen mit ihrer Haltung ihre eigenen Möglichkeiten. (Willy Meurer). Die offene katholische Erwachsenenbildung will ein Ort sein, an dem Menschen die eigene Haltung erproben, hinterfragen und diskutieren können. Die Begegnung mit Kunst, Philosophie, Theologie, Körperarbeit, Spiritualität und Politik kann helfen, sich selbst wieder neu aus- und aufzurichten.

Ich wünsche uns allen ein offenes Herz, einen klaren Blick, Standfestigkeit und Mut, denn „Haltung wirkt“ auf uns selbst und andere!

 

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