Das KBW wehrt sich gegen die Kürzung der Landesmittel

Pressemeldung vom 31.07.2006 über ein Schreiben an die Reutlinger Landtagsabgeordneten

Der Vorsitzende des Trägervereins des Katholischen Bildungswerks Landkreis Reutlingen e.V. Bernhard Bosold und Bildungswerk-Leiter Paul Schlegl haben sich schriftlich an die Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Reutlingen gewandt und diese gebeten sich dafür einzusetzen, dass die kurzfristig bekannt gewordene 10 %ige Kürzung der Zuschussmittel des Landes für Erwachsenenbildung im laufenden Haushaltsjahr 2006 zurückgenommen wird. Auch im neuen Doppelhaushalt 2007/ 2008 soll der Zuschuss für die Träger der Erwachsenenbildung nicht zurückgefahren werden. In dem Schreiben heißt es: Wenn Bildung in Baden-Württemberg gestärkt werden soll, kann man nicht die Bezuschussung weiter absenken. Denn: · Wir haben bereits sehr starke Kürzungen hinter uns: In den vergangenen zehn Jahren ging die Fördersumme pro Unterrichtseinheit (UE) um 37 % zurück. 1992 betrug der UE-Zuschuss noch € 5,88, 1996 € 5,05, im Jahr 2000 € 4,23 und 2005 nur noch € 3,67. Im laufenden Jahr 2006 soll der Zuschuss pro UE lediglich noch € 3,32 betragen. Dabei ist das Gesamtvolumen der Zuschüsse relativ niedrig. Alle Träger der Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg erhalten p.A. einen Betrag, der einem mittleren Gymnasium p.A. entspricht! · Zum Vergleich: Die Förderung in allen anderen Bundesländern geschieht auf ganz anderem Niveau; im OECD-Vergleich stehen wir an vorletzter Stelle. · Die Pauschalierung der Personalkostenzuschüsse des Landes auf das Mittel von drei Jahren wurde als Bestandssicherung angekündigt. · In seiner Regierungserklärung kündigte der Ministerpräsident Günther Oettinger an, Angebote für Elternbildung zu stärken. Dazu stehen diese Kürzungen im Widerspruch. Der Leistungsumfang des Katholischen Bildungswerks Landkreis Reutlingen ist in den letzten Jahren – wie auch bei vielen anderen Trägern - kräftig gestiegen. Der Weiterbildungsbedarf in der Bevölkerung ist groß. Die Leistungen besonders der kirchlichen Erwachsenbildung für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements sind beträchtlich. Wir verfügen über ein flächendeckendes und hochqualifiziertes Netzwerk von Ehrenamtlichen in der kirchlichen Erwachsenenbildung. Nicht nur dafür braucht die Partnerschaft von Land und Trägern Verlässlichkeit. Es braucht endlich eine erkennbare Weiterbildungsstrategie des Landes Baden-Wüttemberg! Nachfolgend einige Zitate, Fakten und Zahlen, die zeigen, dass in Baden-Württemberg eine große Kluft besteht zwischen Anspruch und Wirklichkeit (Quelle: Kirchliche Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung – KILAG -, in der die evangelischen und katholischen EB-Träger zusammenarbeiten): 1. Landesverfassung des Landes Baden-Württemberg, Artikel 22: „Die Erwachsenenbildung ist vom Staat, den Gemeinden und den Landkreisen zu fördern.“ 2. Das Kinderland Baden-Württemberg soll ausgebaut werden. Der Familienbildung kommt hier insbesondere eine wichtige Rolle zu. Das Familieneinkommen ist jedoch in den letzten Jahren deutlich gesunken. Die ausgefallenen Landeszuschüsse können nicht von den Teilnehmenden kompensiert werden. Familienbildung darf kein Luxusgut werden. 3. Koalitionsvereinbarung 14. Legislaturperiode Landtag Baden-Württemberg zwischen CDU und FDP – Präambel: (S. 3): Baden-Württemberg steht vor großen Herausforderungen: Beispielhaft seien hier nur genannt: · die Sicherung von Arbeitsplätzen und wirtschaftlichem Wachstum · die Bewältigung des demographischen Wandels · die Weiterentwicklung unseres Bildungssystems und der Betreuungsangebote für Kinder aller Altersstufen · die Integration von Zuwanderern · der Abbau des Haushaltsdefizits Koalitionsvereinbarung S. 24: Eltern- und Familienbildung: Die Erziehungspartnerschaft zwischen den Eltern auf der einen und den Schulen und Kindertageseinrichtungen auf der andren Seite soll weiter ausgebaut werden, insbesondere indem wir die Bildung von Netzwerken vor Ort unterstützen. Eltern sollen ermutigt werden, Eltern- und Familienbildungsangebote zur gezielten Stärkung ihrer Erziehungskompetenz wahrzunehmen. Wir werden deshalb gemeinsam mit den Trägern der Weiterbildungseinrichtungen Angebote entwickeln, die möglichst viele Eltern erreichen. Koalitionsvereinbarung S. 31: Weiterbildung: Angesichts des dynamischen Wandels unserer Gesellschaft und der Veränderung traditioneller Berufsfelder gewinnt die Weiterbildung zunehmend an Bedeutung. Deshalb wollen wir zukunftsweisende Projekte in diesem Bereich unterstützen und die vorhandenen Weiterbildungsstrukturen - auch in Kooperation mit den Einrichtungen freier Träger - weiter entwickeln. Wir werden auch das bewährte Lehrerprogramm, durch das schulisches Wissen in Weiterbildungsorganisationen getragen wird, weiterführen. Wir begrüßen alle Maßnahmen zur Verbesserung der Weiterbildungsbereitschaft und regen regionale Weiterbildungskooperationen an. Die Regionalbüros für berufliche Fortbildung werden weitergeführt. 4. 13. Landtag von Baden-Württemberg – Ausschuss für Schule, Jugend und Sport / 44. Sitzung / 07.12.05 Beitrag des Abgeordneten Wacker, inzwischen Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport: Wacker führt aus, dass die Weiterbildung, und zwar sowohl bezogen auf die berufliche Bildung als auch bezogen auf die Volksbildung, in Zukunft einen höheren Stellenwert einnehmen wird. Zudem weist er darauf hin, dass wir, was die Landesförderung der Volkshochschulen betrifft, eine Größenordnung erreicht haben, die nicht mehr unterschritten werden kann. Herr Wacker hat als für die Weiterbildung zuständiger Staatssekretär im Gespräch mit Vertretern der KILAG und des VHS-Verbandes diese Äußerung am 13.02.06 nahezu wörtlich wiederholt (lt. Persönlichem Protokoll Strack).

 

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