Neu auf die Menschen zugehen - KBW- Mitgliederversammlung 2006

Die Jahresmitgliederversammlung 2006 des Katholischen Bildungswerks Landkreis Reutlingen e.V. (KBW) tagte im Mai im Reutlinger Augustin-Bea-Haus, nahm die Berichte des Vorstandes entgegen, verabschiedete den Haushalt und befasste sich in ihrem Studienteil mit dem Schwerpunktthema 2006 „ZUTRAUEN zutrauen“. Referent war Domkapitular Rudolf Hagmann, Rottenburg. Einstimmig bestätigte die Versammlung Schuldirektor Bernhard Bosold, Reutlingen, in seinem Amt als Vorsitzender des Trägervereins und ebenso seinen Stellvertreter Albert Gnädinger, Münsingen. Als Beisitzer wurden in den Vorstand gewählt: Reiner App, Dr. Sieglinde Braig-Bücher, Alfons Eckmann, Pfarrer Richard Kappler, Elfriede Salzbrunn und Johannes Wolf. Dekan Robert Widmann gehört dem Vorstand kraft Amtes an. Der Wahlleiter Ulrich Ruisinger dankte den scheidenden Vorstandsmitgliedern Brigitte Waidmann und Dr. Gerhard Wiedmann, die nicht wieder kandidierten. In seinem Bericht vor den Delegierten aus Kirchengemeinden, Gruppen, Verbänden und kooperierenden Institutionen wies Bernhard Bosold „auf die erstaunliche Fülle von Projekten im vergangenen Jahr hin“. Entlang der Stoffgebiete Psychologie, Pädagogik, Gesundheit, Politik, Religion, Philosophie und Kunst ist es nach seiner Einschätzung durch profilierte Beiträge der kirchlichen Erwachsenenbildung gelungen, viele Anstöße zu geben. Besonders ging er auf die „Erfolgsstory“ der Menschen-und-Themen-Zeitgespräche im Reutlinger Spitalhofsaal ein, die in Zusammenarbeit mit der Stadt Reutlingen veranstaltet werden: „Mit dieser Reihe kann man punkten!“ Im vergangenen Jahr waren zu Gast Sr. Dr. Lea Ackermann - „Frau Europas“ des Jahres `98 -, Opernchef Prof. Klaus Zehelein und Simplify-your-life-Autor Werner Tiki Küstenmacher, denen in diesem Jahr der Philosophieprofessor aus den USA Dr. Vittorio Hösle und der Gründungsdirektor der Tübinger Kunsthalle Prof. Dr. Götz Adriani folgten. Bezugnehmend auf eine neue viel beachtete Studie, wonach Kirche immer weniger Milieus und damit immer weniger Menschen erreicht, betonte Bernhard Bosold, dass es darauf ankommt, zukünftig zu einer gekonnten Balance zu kommen: Die kirchliche Konzentration auf Wesentliches trägt einerseits zur Profilierung bei, aber gleichzeitig steht auch an, neu auf Menschen und Milieus zuzugehen und sich ihnen zu öffnen. Bosold: „Erwachsenenbildung eignet sich in hervorragender Weise, um diesen wichtigen Zukunftsaufgaben gerecht zu werden.“ Er wies darauf hin, dass das Kreisbildungswerk dabei besonders auch auf lebendige Kirchengemeinden angewiesen ist, die die örtlichen Ansprechpartner der Erwachsenenbildung stellen. Bildungswerkleiter Paul Schlegl informierte in seinem Bericht, dass sich die KBW-Leistungsstatistik in 2005 günstig entwickelte. 11.006 Unterrichtseinheiten wurden eingefahren und damit eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 8,6%. Das Teilnehmervolumen wuchs um 23,5% auf 58.462. 22 besondere Bildungsangebote zu „Leiten – Lehren –Lernen“ stellte das Reutlinger Bildungswerk - gemeinsam mit den anderen KBW im neu gegründeten Kooperationsverbund - in 2005 erstmals zusammen und veröffentlichte sie in einem Leporello unter dem Titel „Treffpunkt Lernen“. Paul Schlegl: „Angesichts der zunehmenden Bedeutung des „Lebenslangen Lernens“ sollen Lernbegleiter und Lehrende, aber auch Leitungen von Gruppen, Teams und Gremien – in ehrenamtlichen und in beruflichen Zusammenhängen – durch die Angebote Unterstützung erhalten.“ Ferner berichtete Schlegl, dass das Bildungswerk an einem mehrjährigen Qualitätsentwicklungsprozess teilgenommen hat, dem in der nächsten Phase ein Zertifizierungsverfahren folgen wird. Neu herausgegeben wurde ein Pool vermittelbarer Referentinnen und Referenten. Schließlich erhielt das Reutlinger Bildungswerk jüngst den Zuschlag zur Mitwirkung an einem neuen Bundesprojekt des Bundesbildungsministeriums. Unter der Bezeichnung „lebens-wert – Lernort Gemeinde“ sollen Ansätze einer Bildung für nachhaltige Entwicklung erprobt werden. „ZUTRAUEN zutrauen“ – lautet das KBW-Schwerpunkthema 2006. Die Delegierten befassten sich damit im Rahmen des Studienteils zu Beginn der Versammlung und konnten als Referenten Domkapitular Rudolf Hagmann von der Diözese Rottenburg-Stuttgart begrüßen. Anknüpfend an die Erfahrung des Kindes, dass Urvertrauen sich erst in einer Atmosphäre des Vertrauens bilden kann, schärfte Hagmann in seinem Vortrag den Blick für die Bedingungen, unter denen Vertrauen generell wachsen kann: „Ein wertschätzender Umgang gehört gerade so dazu, wie das Anliegen, die Würde des Menschen zu sehen, zu wahren, zu schützen und zu verteidigen.“ Gleichzeitig argumentierte Hagmann, dass es in unserer Welt aber auch das Scheitern geben darf, denn wir sind oft zu perfektionistisch und entwickeln „zu wenig Barmherzigkeit für das Unvollkommene.“ Menschliche Grundaufgabe ist, sich in die Gelassenheit einzuüben und dabei anderen Mut zu machen, „ihnen zu erzählen, was einem selbst Halt gibt.“ Am Beispiel des biblischen Textes der Heilung einer gekrümmten Frau am Sabbat zeigte Hagmann, wie sich Menschen in der zutrauenden Nähe Jesu aufrichten konnten und Kraft zum Leben erhielten.

 

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