Zeiten des Aufbruchs, des Ankommens, des Da-seins

Gedanken zum Schwerpunktthema 2001 von Lena Herdtfelder-Schuon und von Petra Zellhuber-Vogel

Vergiß Deine Grenzen Wandre aus Das Niemandsland Unendlich Nimmt dich auf Rose Ausländer Erinnern Sie sich, wann Sie zum letzten Mal aufgebrochen sind, sich auf einen neuen Weg gemacht haben? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Haben Sie Befreiung erlebt? War der Aufbruch not-wendig? War Neugier am Neuen, am Unbekannten im Spiel? Welche Gefühle haben Sie begleitet? Sind Ihnen die ersten Schritte leicht oder eher schwer gefallen? Der Wechsel ins dritte Jahrtausend hatte sich in jüngster Vergangenheit angeboten, den großen Aufbruch heraufzubeschwören. Die Medien versuchten ihr Bestes, um allenthalben Euphorie zu produzieren. Doch die Seifenblase zerplatzte. Enttäuschung für die Aufbruchsfetischisten und Bestätigung für diejenigen, die von vornherein Zweifel an organisierten Aufbrüchen hatten. Interessant bleibt, dass durch den eher symbolischen Aufbruch im Kalender, Aufbruch als Thema bei vielen Menschen, Institutionen und Organisationen gleichzeitig ins Bewusstsein kam. Somit wurden und werden mögliche gesellschaftliche und persönliche Aufbrüche auf ihren Sinn hin befragt. Es wird deutlich, dass Aufbrechen offenbar zum Menschsein dazu gehört. Zu allen Zeiten sind Menschen immer wieder aufgebrochen. Ob sinnvoller Aufbruch jedoch von außen verordnet werden kann, scheint eher fraglich. Denn alles hat seine Zeit und alles braucht seine Zeit. So gehören zu Zeiten des Aufbruchs auch Zeiten des Ankommens, eine Zeit des Da-seins, eine Zeit des Reifens, des Besinnens, des Bewusstwerdens, eine Zeit für Visionssuche. Aufbrechen ermöglicht Erfahrungen mit Mut, mit Glauben, mit Vertrauen, ermöglicht Erfahrungen mit sich und mit anderen, ermöglicht die Erfahrung im Auf-brechen eine neue Daseinsqualität wahrzunehmen und zu leben. Die Geschichte zeigt, wenn Menschen und Völker sich auf den Weg machten und aufbrachen, bedeutete dies manchmal einen sehr langen Weg durch die Wüste bis ins „gelobte Land“. Die erste Euphorie des Aufbruchs war bald dahin, Zweifel, Hindernisse, Durststrecken tauchten auf. Geboren und gestorben wurde in dieser Zeit. Und Aufbrechen war immer wieder neu angesagt, wurde zum persönlichen Prozess und zur bleibenden Erfahrung für Einzelne und für ganze Völker. Individuelle Bedürfnisse mussten dabei immer wieder mit einem gemeinsamen Ziel, der Vision vom „gelobten Land“, abgestimmt werden. Diese Spannung und Dynamik gibt Aufbruchserfahrungen ihr weites Spektrum. Sie können einengen und lähmen. Sie können aber auch regelrecht beflügeln, wenn wir uns anstecken, inspirieren lassen von der Hoffnung auf das Neue, auf das noch Unbekannte. Der “Engel des Aufbruchs“, den Anselm Grün in seinem Bändchen „50 Engel für das Jahr“ beschreibt, könnte uns in persönlichen Aufbruchsituationen begleiten, ob mit der Trommel der Mirjam oder mit guten Gesprächen von Menschen untereinander. Er könnte uns kritisch machen für aufgesetzte Aufbrüche und er könnte uns sensibel machen für den richtigen Zeitpunkt not-wendiger Schritte hin in das „gelobte Land“ in uns selbst und in der Welt. So wird Aufbrechen zum “Miteinander lernen“ und Lernen zum “Miteinander im Aufbruch sein“. Die Veranstaltungen des KBW möchten Ihre Neugier wecken und Sie in gesellschaftlichen und persönlichen Aufbruchsituationen sinnvoll begleiten.

 

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