Ort der Begegnung und Horizonterweiterung: 100 Menschen-und-Themen-Zeitgespräche

Ein Rück- und Ausblick von Paul Schlegl

Der Autor ist Dipl. Pädagoge, Dipl. Sozialpädagoge und Organisationsberater sowie Leiter des KEB-Bildungswerks RT

Mit einem besonderen Jubiläum wartet das Impulse-Programm des 1. Halbjahres 2015 auf: Sie sind zum 99., 100. und 101. Menschen-und-Themen-Zeitgespräch zu Gesellschaft, Kultur und Religion eingeladen!
Noch bevor die mediale Talkshowflut ab den 90er Jahren über uns kam, startete 1988 ein motiviertes und beschwingtes Moderatorenteam im Heilig-Geist-Gemeindezentrum in Reutlingen mit dem ersten Gast: Prof. Dr. Alfons Auer, renommierter Vorreiter einer modernen Moraltheologie, Stichwort „Autonome Moral“, gab Einblicke in sein Leben und in seine wissenschaftliche Arbeit. Zum 99. Zeitgespräch dürfen wir nun am 3. März 2015 den preisdotierten Schriftsteller und Biografen Dr. Alois Prinz aus München begrüßen. Gast bei der 100. Veranstaltung am 7. Mai wird der Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) Dr. Peter Frey aus Mainz sein. Das Jubiläumshalbjahr rundet der 101. Gast, der bekannte Jurist und Schriftsteller Prof. Dr. Bernhard Schlink, Berlin, ab. (Näheres im Programmteil)

Zum besonderen Profil dieser Reihe, die dankenswerterweise von der Stadt Reutlingen und der Kreissparkasse Reutlingen kooperativ unterstützt wird, gehören verschiedene Anliegen:
Der Gesprächscharakter trägt dazu bei, dass die offene Begegnung zwischen dem Gast - der oder die gewissermaßen Themen verkörpert - und den Beteiligten spannende, anhaltende Lernerfahrungen ermöglicht. Sie können Einblick in Lebensläufe, Beweggründe, Problemfelder, Wirkungsbereiche, Tätigkeiten - sprich: „fremde Welten“ nehmen. Besonders interessant war es in der Vergangenheit, wenn durch die Verknüpfung von Biografie und Sachthemen dichte Dialoge entstanden sind. Authentische Situationen machen Bildung lebendig. Dabei ist den Moderatoren wichtig, auf ein positives und angenehmes Kommunikationsklima zu achten. Die Themenbehandlung im Kurzzeittakt soll vermieden werden. Nicht die schnellen, flüchtigen Bilder sind erwünscht, sondern Zeit zur Nachdenklichkeit, die zulässt, Gedanken in Ruhe auszuführen.

Das Menschen-und-Themen-Konzept will auch provozieren bzw. anstoßen. Dem Moderatorenteam liegt an einem offenen Austausch und an toleranter Verständigung in Gesellschaft und Kirche. Es hat immer darauf gesetzt, dass ein Gast nicht nur „seinen Fanclub“ anzieht, sondern auch solche Teilnehmer/innen, die bereit sind, ihr subjektives Wissen und ihre subjektiven Sichtweisen zu erweitern. Der Mensch kann sich erst dann selbstbewusst entwickeln, wenn er nicht nur Jasager um sich versammelt, sondern sich auch mit den Widersprüchen auseinandersetzt und wenn er das Fremde und die Fremden an sich heran lässt. Als Einzelne haben wir hier gerade so viel Lernbedarf wie als Kirchen und als Gesellschaft. Dazu passt der Menschen-und-Themen-Leitspruch, ein Satz des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber, der intensiv über die Bedeutung des Dialogs nachdachte: „Ich werde am Du. Ich werdend spreche ich Du. Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Die Zeitgespräche haben mittlerweile als Ort der Begegnung und der Kommunikation und als Beitrag zum öffentlich-kulturellen Zeitgeschehen im Raum Reutlingen – Tübingen große Bedeutung erhalten. Der Zuspruch und die Resonanz bei den Teilnehmer/innen sowie die Rezeption durch die Medien sind beachtlich. Die Architektur des direkt am Reutlinger Marktplatz gelegenen stilvollen Spitalhofsaals ist besonders gut für die Form der Zeitgespräche geeignet. Auch das Kreissparkassen-Foyer am Marktplatz bietet als Veranstaltungsort optimale Möglichkeiten.

Dass die Zeitgespräche über einen solch langen Zeitraum möglich wurden, verdankt sich dem überaus engagierten ehrenamtlichen Moderatorenteam - Bernhard Bosold, Iris Bosold, Ulla Heinemann, Kerstin Merz, Karl-Heinz Rauch, Amrei Steinfort, Prof. Dr. Norbert Vogel, Petra Zellhuber-Vogel -, das die Reihe zusammen mit dem hauptamtlichen BW-Leiter Paul Schlegl gestaltet. Zu nennen sind auch die ehemaligen Teammitglieder Beatrix Schubert, Lothar Schubert, Beatrix Schiele und Dr. Josef Wigger.

Besonders treue Teilnehmer/innen berichteten von Versuchen, sich aller Gäste - von Anfang an - zu erinnern. Dieser Wunsch wird auf der KEB-Homepage unterstützt: Im Informationen-Kapitel befindet sich die komplette Gästeliste. Wer die lange Liste der Namen an sich vorbeiziehen lässt, kann entdecken, welche Themen uns in den letzten Jahrzehnten beschäftigten, persönlich und gesellschaftlich. „Was Menschen bewegt“ lautet der Slogan des KEB-Bildungswerks. Der KEB-Vorsitzende Bernhard Bosold bezeichnete die Menschen-und-Themen-Zeitgespräche, die hoffentlich noch lange andauern werden, vor der Mitgliederversammlung des KEB-Trägervereins als „Leuchttürme der Kirche“ in Reutlingen und als „Markenzeichen der Katholischen Erwachsenenbildung“.

 

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