Ort freien Denkens – Mitgliederversammlung 2012

Die Jahresmitgliederversammlung 2012 der Katholischen Erwachsenenbildung Bildungswerk Kreis Reutlingen e.V. (KEB) tagte kürzlich im Reutlinger Augustin-Bea-Haus, nahm die Berichte des Vorstandes entgegen, verabschiedete den Haushalt und befasste sich in ihrem Studienteil mit dem Schwerpunktthema 2012 „Teilhabe schafft Vertrauen“. Referentin war die stellvertretende Leiterin der KEB in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dorothee Kluth, Stuttgart, die auch Referentin für Mitarbeiterweiterbildung ist.

In seinem Bericht vor den Delegierten aus Kirchengemeinden, Gruppen, Verbänden und kooperierenden Institutionen erinnerte der Vorsitzende des Trägervereins Schuldirektor Bernhard Bosold an das letztjährige Schwerpunktthema „Vertrauenskrise: Couragiert eigene Wege gehen“. „Wir können wieder auf ein gutes Jahr zurückblicken. Wer sich das breit gefächerte Programm des KEB-Bildungswerks anschaut, wird das anerkennend und dankbar feststellen.“ - so der KEB-Vorsitzende. Das gilt besonders auch für die Reihe der Menschen-und-Themen-Zeitgespräche. Hier gab es im vergangenen Jahr viele eindrückliche Abende im Reutlinger Spitalhofsaal und im Foyer der Kreissparkasse Reutlingen. Zu Gast waren zuletzt: Sven Plöger, Prof. Dr. Wulf Dietrich, Erwin Hetger, Prof. Dr. Fulbert Steffensky und Ute Brucker.

Ausführlich ging Bosold in seinem Bericht auf das Ausmaß und die Ursachen der gegenwärtigen Kirchenkrise ein und formulierte Thesen zum Profil und der Zielrichtung der offenen katholischen Erwachsenenbildung: Sie versteht sich als Angebot für Suchende innerhalb und außerhalb der Kirche und hat ihren Ort deshalb im ‚Vorraum der Kirche’. „Katholische Erwachsenenbildung geht aufmerksam und ohne Angst mit verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen und Gruppierungen um. Auf diese Weise macht sie die Kirche als Suchende auch für Menschen außerhalb der Kirche erfahrbar.“ - so Bernhard Bosold.

Bildungswerkleiter Paul Schlegl informierte in seinem Bericht über die KEB-Leistungsstatistik in 2011: Mit 10.448 Unterrichtseinheiten gab es einen Rückgang um 12,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Besonders auffallend sind teilweise drastische Einbrüche bei den Kirchengemeinden. Die Gesamtzahl der Teilnehmer/innen lag bei 45.943.

Schlegl informierte darüber, dass einige Bildungswerk-Projekte großen Zuspruch erfahren konnten. So boten die LebensArtAbende eine Plattform, um Visionen zu entwickeln, Lebenskonzepte zu erweitern und Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmenden konnten sich mit ihren Fragen und Erfahrungen gegenseitig bereichern. „Die vier Abende verzeichneten in 2011 regen Zulauf zwischen 15 und 50 Teilnehmern. Sie werden auch in diesem Jahr fortgesetzt. Die Themenpalette ist breit: Loslassen, um sich einzulassen – Weisheitswege der Mystik, Vertrauen in die eigene Kraft?!, Meine Stärken, meine Schwächen – auf der Suche nach dem eigenen Profil… sind einige Beispiele“ - so der KEB-Leiter.
Seit Oktober 2011 bietet das Bildungswerk ein neues Angebot im Bereich von Coaching – Lernbegleitung – Supervision an mit dem Titel „Beratung ist Vertrauenssache“. Schlegl: „Beratung kann helfen, schwierige Situationen und neue Herausforderungen anders zu sehen und zu verstehen. Der Blick von außen unterstützt das selbstgesteuerte Lernen und Handeln.“

Verabschiedet wurde in der Mitgliederversammlung die langjährige Bildungsreferentin Sabine Jäger Renner, der Bernhard Bosold und Paul Schlegl für ihrer intensives ideenreiches Engagement dankten. Jäger-Renner begann 1996 mit der Leitung des Treffpunkts Alleinerziehende, der 2006 bundesweit Schlagzeilen machte, weil bei einer Freizeit im Schwarzwald die Teilnehmer durch eine Gasexplosion verunglückten. Bis heute ist der Treffpunkt mit seinen Samstags-Treffen in Reutlingen und Bildungsfreizeiten eine willkommene Adresse für allein erziehende Mütter und Väter mit ihren Kindern. Im Rahmen des Bundesprojekts „Lebens-wert - Lernort Gemeinde" entwickelte Jäger-Renner neue Konzepte und Formen der Erwachsenenbildung. Daraus entstand ab 2010 das Projekt "Lernort Familie", in dem sie zuletzt als Familienbildungsreferentin arbeitete.

„Teilhabe schafft Vertrauen“– lautet das KEB-Schwerpunkthema in 2012. Die Delegierten befassten sich damit im Rahmen des Studienteils zu Beginn der Versammlung und konnten als Referentin die stellvertretende Leiterin der KEB Diözese Rottenburg-Stuttgart und Referentin für Mitarbeiterweiterbildung, Dorothee Kluth, Stuttgart, begrüßen.

Sie wies darauf hin, dass Teilhabe die Voraussetzung moderner Demokratien ist. Kluth: „Akzeptanz beruht auf Vertrauen und braucht entweder unmittelbare Teilhabe oder erhöhte Transparenz der Entscheidungswege. Schauen wir auf die katholische Kirche, ergibt sich im Blick auf Teilhabe ein sehr gemischtes Bild. Im Neuen Testament gilt das Liebesgebot, das auf die Gleichheit aller und auf die Einbindung gerade auch der Schwächsten verweist. Dagegen steht das hierarchische System, obgleich das II Vaticanum bereits vor 50 Jahren wieder auf den Weg zu den Ursprüngen gewiesen hatte (Communio-Gedanke und ‚Gottesvolk auf dem Weg’).“ Angesichts der hierarchischen Überformung von Kirche ist es umso erstaunlicher, dass sich auch heute noch Menschen innerhalb der Kirche als Ehrenamtliche organisieren. Kluth: „Ehrenamtliche tragen die Kirche, sie prägen das Leben in und außerhalb, sie bringen ihre Lebenswelten hinein.“ Gerade in der Kirchenkrise ist zu betonen, dass „die KEB ein Ort freien Denkens ist, ein Ort, an dem Menschen sich einbringen, innehalten, reflektieren und Neues probieren können, auch neue Formen von Kirche.“

 

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