Gewünschte Kirchenreformen und Rekordergebnisse in der Erwachsenenbildung - Mitgliederversammlung 2011

Die Jahresmitgliederversammlung 2011 der Katholischen Erwachsenenbildung Bildungswerk Kreis Reutlingen e.V. (KEB) tagte im Mai im Reutlinger Augustin-Bea-Haus, nahm die Berichte des Vorstandes entgegen, verabschiedete den Haushalt und befasste sich in ihrem Studienteil mit dem Schwerpunktthema 2011 „Vertrauenskrise: Couragiert eigene Wege gehen“. Referent war der Leiter der Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Pfarrer Wolfgang Herrmann, Stuttgart.

In seinem Bericht vor den Delegierten aus Kirchengemeinden, Gruppen, Verbänden und kooperierenden Institutionen erinnerte der Vorsitzende des Trägervereins Schuldirektor Bernhard Bosold an das letztjährige Schwerpunktthema „Weil es aufs Menschenbild ankommt.“. Mit vielen Veranstaltungen im Kontext des Schwerpunktthemas und mit einer breiten Palette von Bildungsangeboten zu den verschiedenen Rubriken wie Gesellschaft und Politik, Kunst und Kreativität, Religion und Philosophie „wurden Akzente gesetzt, mit denen die katholische Kirche positiv aufgefallen ist.“ Deshalb dankte der Vorsitzende den Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen im Bildungswerk, in den Gemeinden und Verbänden, die mit ihrem Engagement dafür gesorgt haben, „dass katholische Kirche im Gespräch bleibt: nach innen und nach außen.“

Bosold ging in seinem Bericht auf die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche ein und formulierte Gedanken zur Standortbestimmung der Katholischen Erwachsenenbildung. Angesichts des Vertrauensverlustes, den der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche bewirkt hat, fehlt es noch an einer geistlichen und theologischen Reflexion dessen, was geschehen ist. „Was will Gott der Kirche sagen? Müssen wir die Lehre nicht weiterentwickeln?“ Wichtig ist dabei, so Bosold, die Machtfrage und die Frage nach Sexualität noch freier zu stellen.
Für die Standortbestimmung der Erwachsenenbildung entwarf Bernhard Bosold das Bild eines Vorplatzes der Kirche: „Hier ist nicht klar, ob alle, die kommen, dazugehören und dazugehören wollen. Hier gibt es viel buntes Volk, und die Kleiderordnung ist nicht immer klar. Aber nur mit diesem Platz, der jederzeit offen und einladend ist, nur mit diesem Platz ist die Kirche katholisch, allgemein und allumfassend.“

Bildungswerkleiter Paul Schlegl informierte in seinem Bericht über die KEB-Leistungsstatistik in 2010: Mit 11.993 Unterrichtseinheiten wurde ein Rekordergebnis in der Geschichte der Einrichtung eingefahren. Das war ein Plus von 8,6% im Vergleich zum Vorjahr. Die Gesamtzahl der Teilnehmer/innen lag bei 55.209 und stellt somit ebenfalls ein Spitzenergebnis dar (Steigerung: 6,2%).

Durch die neue Projektstelle „Lernort Familie“, in die auch die Familienbeauftragung durch die Diözese und das Dekanat integriert ist, ist es möglich, dieses Themenfeld intensiver zu gestalten, so Paul Schlegl. „Die Tätigkeit ist gemeinde- und gemeinwesenorientiert angelegt. Im vergangenen Jahr wurde Kontakt mit jeder Kirchengemeinde aufgenommen und es entwickelten sich bereits konkrete Maßnahmen.“ Über die Stelle wird auch die Familienarbeit der betreffenden Einrichtungen auf Dekanatsebene vernetzt.
Die Familienaktivitäten in den Reutlinger Bildungswerk-Räumen konnten rund um den Treffpunkt LebensArt intensiviert werden. Stichworte dazu: Treffpunkt Alleinerziehende, LebensArtAbende und –Feste, Theater der Generationen, Single-Kontakt-Stammtische usw.
Familien mit wenig Einkommen finden oft nur schwer Zugang zu Bildungsveranstaltungen. „Unterstützt u. a. durch das Landesprogramm STÄRKE (Familien in besonderen Lebenslagen) konnte das Bildungswerk Reutlingen im vergangenen Jahr solche Familien niederschwellig und intensiv ansprechen. Auch in diesem Jahr finden diese Maßnahmen (Freizeiten, Seminare und Kurse) regen Zuspruch,“ so Schlegl.

Vorstandsmitglied Cornelia Hosp informierte über eine besondere Vortragsreihe und Fragebogenaktion in Reutlingen Südwest, die sich mit der „Zukunft der Kirche“ befasste. Die Auswertung von 120 Fragebögen wird aktuell in die Dialoginitiative der Deutschen Bischofskonferenz eingebracht. In den Fragebögen wird die tiefe Sorge spürbar, „dass nichts vorangeht in der Kirche, dass die Kirche die jungen Leute weitgehend verloren hat“, so Hosp. Genügend Seelsorger, mehr Teilhabe in der Kirche, ein besserer Umgang mit Geschiedenen und eine zeitgemäße Sexualmoral sind häufig ausgesprochene Erwartungen in den Fragebögen.

In der KEB-Mitgliederversammlung fand dieses Mal eine Nachwahl in den Vorstand statt. Gewählt wurde der Medienberater und Journalist Reiner App.

 „Vertrauenskrise: Couragiert eigene Wege gehen“– lautet das KEB-Schwerpunkthema in 2011. Die Delegierten befassten sich damit im Rahmen des Studienteils zu Beginn der Versammlung und konnten als Referenten den Leiter der Betriebsseelsorge in der Diözese Rottenburg-Stuttgart Pfarrer Wolfgang Herrmann, Stuttgart , begrüßen.

Er zeigte verschiedene gesellschaftliche Felder auf, in denen Vertrauensverlust in der Bevölkerung festgestellt werden kann, der sich problematisch auf das Zusammenleben der Menschen auswirkt. Beispielsweise rufen die beschleunigte Technik und die Veränderungen im Arbeitsleben viele Ängste hervor. Das soziale Netz ist brüchig geworden und der Reichtum ist aus der Sicht Vieler ungerecht verteilt.
Laut Herrmann braucht es im Land eine neue Anerkennungs-, Beteiligungs- und Leitungskultur. Der Kirche komme dabei auch die Aufgabe des „prophetischen Querschießens“ zu, das die Option für die Armen in den Mittelpunkt stellt und einen anderen Umgang mit dem Geld anmahnt.

 

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