ZUTRAUEN zutrauen

Das Schwerpunktthema 2006 lädt ein zum Brücken bauen: Ermutigt euch! Anmerkungen von Paul Schlegl. Der Dipl. Pädagoge ist Leiter des Bildungswerks.

„Das schaffst du!“ – diese Situationen, in denen uns etwas zugetraut wird, gehören zu den Sternstunden unseres Lebens. Menschen und Begegnungen fallen uns ein: die Eltern, der Lehrer, die Vorgesetzte, der Freund, die Partnerin ... Vielleicht wäre die anstehende Aufgabe zu groß gewesen, aber der wohlwollende Zuspruch setzte zusätzliche Energie frei, und dann hat es auch wirklich geklappt... Zutrauen hat etwas mit Hoffnung und Zukunftsoptimismus zu tun – für sich selbst und für die Mitmenschen, fürs Zusammenleben und im Hinblick auf die Entwicklungen. Und wenn wir „Zutrauen zutrauen“, dann suchen wir nicht zuerst das Haar in der Suppe und lassen uns auch nicht vom (scheinbar) halb leeren Glas runterziehen, sondern sind Wartende und Erwartende mit gutem Willen und mit möglichst positivem Sehen und Denken. Menschliche Haltungen In einer Zeit, die nicht gerade vor Zutrauen sprüht, braucht es die Verstärkung positiver Sichtweisen: Ich traue mir etwas zu. Ich traue dir etwas zu. Ich traue mich ... Angesichts der Dominanz des Verpackens – eine ganze Industrie lebt davon – gilt es wieder mehr menschliche Kerne und innere Werte frei zu legen, die das Leben erst lebenswert machen; beispielsweise die Achtsamkeit, um den Anderen aufmerksamer wahrzunehmen, sich ihm zu öffnen und ferner die Haltung der Zuwendung, die zeigt, dass man’s gut meint. Verlässlichkeit und Treue sind Werte, die sich ebenfalls lohnen, wieder entdeckt zu werden. Sie bewirken, dass man sich gegenseitig Vertrauen schenken kann. All diese Haltungen provozieren immer wieder die Frage: Was hilft eigentlich zum Leben? Kinder und Zukunft Die verbreitete Mentalität des Abbauens und Abwickelns steht vollkommen entgegengesetzt zum dem, was besonders junge Menschen elementar erwarten. Sie wollen entdecken, sich entfalten, wollen Bewegung und Aufbrüche. Sie wollen und brauchen aber auch materielle Perspektiven. Die immer weniger Kinder und Jugendlichen zeigen dieser verknöchernden, verkrustenden Gesellschaft, was ihr allmählich abhanden kommt: Lebensfreude und –dynamik und der Glaube an die Zukunft. Die klassische Kinder-und-Jugend-Institution ist die Schule. An ihren Problemen erkennen wir exemplarische gesellschaftliche Mängelsituationen: „In den Regelschulen wird man nicht als ganzer Mensch angesehen, sondern nur in die Noten eins bis sechs eingeteilt“, so die 14jährige Maria aus Leipzig in Publik-Forum, deren Meinung unendlich viele Schüler/innen teilen. Das deutsche dreigliedrige Schulsystem, das nach Leistung aussondert und trennt, erzeugt oft Angst und führt zu wenig zusammen. Junge Menschen drohen in der Masse übergroßer Klassen unterzugehen. Lust und Freude am Lernen, die laut Hirnforschung Grundlage für den Lernerfolg sind, kommen oft zu kurz. Gleichzeitig fällt auf, dass es vielen Lehrer/innen auch nicht gut geht. Die Burnout-Falle schlägt bei ihnen besonders häufig zu. Bis zu 90% scheiden laut einer Studie vorzeitig aus ihrem Beruf aus. Das Wort „Reform“ ist anrüchig geworden. Rein technische, jedoch herzlose Strukturänderungen verbessern die Lage nicht wirklich. Vielmehr sind (Denk)Blockaden und zu enge Sichtweisen (Ideologien) zu überwinden. Es braucht Raum für neue Kreativität, die sich aber erst auf der Basis menschlicher Zuwendung und Verantwortung so richtig entfachen lässt. Und gerade junge Menschen benötigen den positiven pädagogischen Bezug und das echte personale Angebot der Erwachsenen. „Mit Leib und Seele bei der Sache sein“ - wollen Jung und Alt. Der Pädagoge Horst Siebert sagt „engagiertes Lernen“ dazu. Dimensionen des Vertrauens Zutrauen baut auf Vertrauen, dass es eine Kraft gibt, die unsere menschlichen Koordinaten übersteigt. Der Glaube an Gott verleiht Freiheit vor innerweltlichen Zwängen und gibt Mut, die Dinge anzusprechen und zu verändern im Sinne von: Wir trauen uns ... Vertrauen, Zuversicht und Zutrauen sind auch in der Ungewissheit möglich, weil wir nicht allein sind, nicht alles von uns abhängt und wir uns getragen wissen. Der KBW-Schwerpunkt 2006 lädt ein zum Brücken bauen: Ermutigt euch! Befreiungsbischof Helder Camara hat dazu die passende Vision formuliert: „Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Träumt unseren Traum.“

 

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