Weil es aufs Menschenbild ankommt

Gedanken zum KEB-Schwerpunktthema 2010 von Cornelia Hosp
Die Autorin ist Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit Südwest, arbeitet als Religionslehrerin in der Laura-Schradin-Schule und gehört dem Vorstand der Katholischen Erwachsenenbildung an.

Weil es aufs Menschenbild vieler einzelner Verantwortlicher in Bildung und Beruf in unserer Gesellschaft ankommt, reicht es nicht, dass die Spezialisten im Ethikrat sich damit beschäftigen, sondern wir alle sind angefragt, uns mit dem Thema Menschenbild auseinander zu setzten.

Weil es aufs Menschenbild ankommt, sind wir Lehrer herausgefordert, uns mehr Klarheit zu verschaffen, denn wir bilden die zukünftigen Wissenschaftler aus, wie z.B. die Schüler im Biotechnischen Gymnasium. Sie werden als Wissenschaftler einmal mit zu entscheiden haben, ob der Eingriff ins menschliche Erbgut vom Menschenbild her zu rechtfertigen ist. Andere der heutigen Schüler werden als Mediziner die immer komplexeren Fragen über den Anfang menschlichen Lebens und das Ende entscheiden müssen. Das technisch Machbare verschiebt die Grenzen menschlichen Lebens in beide Richtungen.

Gerade bei den Überlegungen über unser mögliches Ende ist uns heute jede naive „natürliche“ Vorstellung verwehrt. Hier kommt es für jeden Einzelnen, der die Art seines Sterbens in einer Patientenverfügung selber mitbestimmen möchte, bei seinen Überlegungen aufs Menschenbild an. Was ist da für ihn selber ethisch vertretbar und was nicht mehr? Jeder wird für sich selber entscheiden müssen: Was für ihn die Würde des Menschen ist und was ein menschenwürdiges Sterben?

Das kann nicht ausschließlich materiell beantwortet werden. Es reichen da oft nicht Antworten, die beschreiben, wie wir Menschen funktionieren. Die alten Menschheitsfragen tauchen dabei auf: Endet unser Bewusstsein mit dem Hirntod oder geht es weiter? Gehe ich von einem Übergang in einen jenseitigen Bewusstseinszustand aus? Wer so glaubt, wird sich fragen: Was ist ein guter Übergang für mein Bewusstsein? Je nach dem Menschenbild sind die Vorstellungen zum Sterben und Tod ganz unterschiedlich.

Weil es aufs Menschenbild ankommt, sind wir auch als Eltern und Pädagogen in Kindergärten, wie in Schulen herausgefordert, mitzugestalten, wie das „Mensch-Werden“ der Kinder und Schüler gefördert wird. Wollen wir sie ganzheitlich erziehen, ihnen weiterhin Werte, kommunikative und soziale Fähigkeiten vermitteln, ihnen Freiräume eröffnen, wo es auch um ihre persönliche Selbstwerdung geht? Oder sollen die Ziele von Bildung und Erziehung einseitig an die Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst werden: Ihnen in möglichst kurzer Zeit (G 8) möglichst viele Inhalte zu vermitteln?

Neben ganzheitlichen Ansätzen gibt es in der Pädagogik auch andere Tendenzen. Denn es gibt pädagogische Ansätze - von der Hirnforschung und der Künstlichen Intelligenz beeinflusst - das Lernen von Computersoftware her zu optimieren. Nach christlich–jüdischem Verständnis sind wir zur Menschwerdung aber auf Beziehung angelegt, Selbstwerdung geschieht am Du. Von daher sind Lehrer und Erzieher auch in ihrem Beziehungsangebot unverzichtbar. Auch hier ist es mit eine Frage des Menschenbildes, wie sich Lernen in Zukunft an den Schulen gestalten wird.

Dass es aufs Menschenbild ankommt, damit werden wir in einer globalen Welt immer mehr konfrontiert. Kein Europäer, der nach Asien reist, kann mehr naiv davon ausgehen, dass das christliche Menschenbild, das unsere Menschenrechte geprägt hat, universal für alle Kulturen gültig ist. Die Gleichheit aller Menschen, wie sie christlich in der Gottesebenbildlichkeit der Menschen begründet ist, kann man in Asien nicht als ethische Maxime voraussetzen. Im Konfuzianismus hat Mengzis Lehre der fünf grundlegenden zwischenmenschlichen Beziehungen den chinesischen Kulturraum 2000 Jahre lang geprägt: Die natürliche Unterordnung der Frau unter den Mann, der Kinder unter die Eltern, des jüngeren unter den älteren Bruder und des Untergebenen unter den Vorgesetzten. Die Menschenrechtsdebatte zwischen Ost und West ist erst am Anfang ihres Ringens um ein global gültiges Menschenrecht.

Weil es aufs Menschenbild ankommt, möchten wir Sie anregen, die Angebote der nachfolgenden Seiten aufmerksam zu studierenden und zu überlegen, welches Angebot Ihre persönlichen Fragen und Problemstellungen zu dem Thema am ehesten aufgreift.

 

» zurück zur Übersicht Archiv

Höhle in den USAPilgerndes PaarGeöffnete Tür - Blick ins WeiteWaldlichtungAuf dem Jakobsweg