Gemeinsame Lern- und Gestaltungswege - Mitgliederversammlung 2009

 

Die Jahresmitgliederversammlung 2009 des Katholischen Bildungswerks Landkreis Reutlingen e.V. (KBW) tagte im Mai im Reutlinger Augustin-Bea-Haus, nahm die Berichte des Vorstandes entgegen, beschloss eine Namens- und Satzungsänderung, verabschiedete den Haushalt und befasste sich in ihrem Studienteil mit dem Schwerpunktthema 2009 „Beim Namen nennen. Beim Namen rufen“. Referent war der Philosoph Thomas Gutknecht, Ostfildern.

In seinem Bericht vor den Delegierten aus Kirchengemeinden, Gruppen, Verbänden und kooperierenden Institutionen erinnerte der Vorsitzende des Trägervereins Schuldirektor Bernhard Bosold an das letzt jährige Schwerpunktthema „Kraftfeld Liebe“, das in der konkreten Bildungsarbeit vor Ort auf breite Resonanz stieß. Es griff die auseinander gehende Schere zwischen Arm und Reich gerade so auf wie die Kinderarmut, die soziale Vernachlässigung und Gewalt, die Angst vor Fremden und Fremdem und die Alterung der Gesellschaft. Und es waren personale Fragen, die bewegten: Was glaube ich? Was hoffe ich? Wovor habe ich Angst? Wie möchte ich gerne leben? Welche Entfaltungsmöglichkeiten hätte ich gerne?
Bosold resümierte: „Die Fragen des Sozialen müssen wieder gewonnen und erneut aufgegriffen werden, auch vom Katholischen Bildungswerk und den Kirchengemeinden. Das ist durchaus eine Herausforderung in einer Gesellschaft, die immer mehr in Individualismus und abgeschottete Milieus abzugleiten droht. Res publica, die öffentliche Sache, das Soziale, das Gemeinwohl geht uns alle an.“

Sehr erfreut war Bernhard Bosold über die Entwicklung der Menschen-und-Themen-Zeitgespräche, die in Kooperation mit der Stadt Reutlingen veranstaltet werden: „Diese Reihe ist eine Qualitätsmarke des Katholischen Bildungswerks, die auch in der Öffentlichkeit bewusst und mit Anerkennung wahrgenommen wir.“ Gäste waren zuletzt Prof. Götz W. Werner, Prof. Andreas Schleicher, Prof. Dr. Gesine Schwan, Dr. Henning Scherf und Dr. Wunibald Müller. Am 25. Juni 09 kommt Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger.

Bildungswerkleiter Paul Schlegl informierte in seinem Bericht über die KBW-Leistungsstatistik in 2008: 10.808 Unterrichtseinheiten wurden eingefahren. Das war ein leichtes Plus von 1,3%. Die Gesamtzahl der Teilnehmer/innen betrug 53.311.

Im Zusammenhang mit der Beteiligung an einem Bundesprojekt wurde im Reutlinger Bildungswerk in den letzten drei Jahren ein neues Bildungsformat geschaffen, das das Entwickeln von gemeindebezogenen Projekten in den Mittelpunkt stellt, verstanden als gemeinsamen Lern- und Gestaltungsweg aller Akteure. Paul Schlegl: „Unter dem Motto ‚Lebens-wert? Lernort Gemeinde’ kamen einige Vor-Ort-Projekte zustande, die mal mehr im kirchlichen, mal mehr im kommunalen Umfeld angesiedelt waren. Manche Initiativen hatten Kurzzeitcharakter, andere dauern länger.“ So will sich eine Gemeinde verstärkt der Zielgruppe 60+ widmen und in einer anderen wurde das Zusammenleben am Ort thematisiert. Wie mit einem Kunstprojekt Menschen auf neue Art angesprochen werden können, beschäftigt eine Gemeinde, ein Ratsgremium fragte nach „Lust und Herzensanliegen im Ehrenamt“ und eine weitere Gemeinde baut einen Besuchsdienst für junge Familien mit Neugeborenen auf. Schlegl wies darauf hin, dass die Sozialpädagogin Sabine Jäger-Renner zur Begleitung solcher Entwicklungsprojekte einen hauptamtlichen Auftrag erhalten hat.

Ergänzt wurden diese Berichte von mehreren Versammlungsmitgliedern mit weiteren Einblicken in verschiedene örtliche Aktivitäten, die die Reichhaltigkeit kirchlicher Bildungsarbeit veranschaulichten:
Cornelia Hosp informierte über eine Reihe, die sich dem Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion widmete. Über neue Ansätze bei Glaubenskursen und Glaubensgesprächen berichtete Dekan Robert Widmann. Johann Löffelmann vermittelte einen Eindruck von der Eninger Sonntagsmatinèe, die im Februar ihre 100. Veranstaltung hatte, und Elisabeth Kienzle berichtete über Versuche, die Zielgruppe 40+ neu anzusprechen.

Da Pfarrer Richard Kappler aus dem Bildungswerk-Vorstand ausgeschieden war, wählte die Versammlung die Pastoralreferentin Cornelia Hosp als neues Vorstandsmitglied.

Im Juni 2009 ändern die Bildungswerke in der Diözese ihre Namen und treten künftig mit einem gemeinsamen Erscheinungsbild auf. Deshalb war in dieser Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung notwendig. Der Name des Reutlinger Bildungswerks lautet künftig: Katholische Erwachsenenbildung (KEB) - Bildungswerk Kreis Reutlingen e.V.

„Beim Namen nennen. Beim Namen rufen“– lautet das KBW/KEB-Schwerpunkthema in 2009. Die Delegierten befassten sich damit im Rahmen des Studienteils zu Beginn der Versammlung und konnten als Referenten den Philosoph und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Philosophische Praxis, Thomas Gutknecht, Ostfildern, begrüßen. Er leitet in Reutlingen den philosophischen Verein Logosclub.

Unter dem Aspekt „Beim Namen nennen“ erläuterte Gutknecht Voraussetzungen für eine Orientierung in der Welt durch Sachlichkeit und beschrieb zum Stichwort „Beim Namen gerufen“ die in ihrer Freiheit gehaltene Menschlichkeit als Ermöglichungsgrund der Sachlichkeit.
Thomas Gutknecht: „Hier sehe ich den geistigen Standortvorteil katholischer Bildungsarbeit, weil wir in eine identitätsstiftende Beziehung gerufen sind. Dies begründet schließlich eine ganz besondere Verantwortung, vor allem wo es um die Gefährdung des Personhaften geht, etwa angesichts der Herausforderungen des Naturalismus für das Menschenbild oder der Technologien für die Zukunft der Menschheit. Die unheilige Allianz, um nicht zu sagen die Trinität von Wissenschaft, Technik, Wirtschaft bedroht die Würde, und hier gibt es eine Versicherung durch die Zusage Gottes, die wir Christen der Mitwelt, gerade der säkularen im kulturellen Westen, nicht vorenthalten dürfen.“

 

» zurück zur Übersicht Archiv

Höhle in den USAPilgerndes PaarGeöffnete Tür - Blick ins WeiteWaldlichtungAuf dem Jakobsweg